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Kann Weniger auch Mehr sein?

Die Corona Pandemie ist ein gemeinschaftliches Erlebnis, das in das Leben eines jeden Einzelnen eingegriffen hat. Aber was hat sich in den zurückliegenden 6 Monaten durch Corona geändert? Gibt es ein Weiter so, wie bisher oder hat ein Umdenken stattgefunden?

Neben den Horrornachrichten aus Europa, mit den schrecklichen Bildern aus den überfüllten Krankenhäusern, den unter Quarantäne stehenden Städte in Spanien und Italien, aber auch den geschlossenen Geschäften und Kultureinrichtungen, unterbrochenen Lieferketten industrieller Hersteller, dem neuen A-H-A – Alltag, bestehend aus Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, dem faktischen Stillstand der Wirtschaft und der Ratlosigkeit auf den Gesichtern von Wissenschaft und Politik. Wir sind alle gemeinsam Betroffene der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens: Schließungen von Schulen und Kindergärten, Kontaktverbote zu Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn. Dazu kommt inzwischen aber auch die wachsende Gewissheit, dass sich diese Pandemie nur bedingt kontrollieren lassen wird. Die Zahl der Einschränkungen ließe sich beliebig fortsetzen: Stornierung von Urlaubsreisen, Videokonferenzen statt Dienstreisen, Schließung von Restaurants und Theatern, Absage von Festen, selbst Olympia 2020 findet nicht statt.

Langsam setzt sich bei den meisten Menschen die Erkenntnis durch, dass die „Zeit nach Corona“ mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mit erheblichen und dauerhaften Veränderungen im Alltag, mit mehr Distanz, weniger Reisen und mehr mobilem Arbeiten verbunden sein wird. Die Digitalisierung und auch die Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl sind im Augenblick die am deutlichsten wahrnehmbare Aspekte, die unsere Disziplin, Respekt, Verantwortung, aber auch die nötige Gelassenheit erfordern.

Diese neue Normalität einer Nach-Corona-Zeit bietet aber auch Chancen, die jede Veränderung mit sich bringt. Dabei kann jeder bei sich selbst anfangen, sich die Frage zu stellen, was es künftig für uns selbst braucht, damit das Leben noch ausreichend Qualität hat.

Muss es dafür zukünftig noch die Weltreise oder der Jahresurlaub auf Mallorca sein? Muss es das neueste und billigste EDV Produkt aus Fernost sein, muss es das frische Beerenobst im Januar sein, die Wegwerf-Kleidung für kleines Geld oder das Schnitzel für einen Euro? Ist nicht auch der gewohnte Überfluss, der grenzenlose Konsum und der feste Glaube an ein dauerhaftes Wachstum auch (Mit)Wegbereiter des Krisengeschehenes in der Corona Pandemie gewesen? Brauchen wir ein immer „Höher, Schneller, Weiter“? Geht es vielleicht auch anders?

Den Antworten auf die Fragen des zukünftigen sozialen und ökonomischen Zusammenlebens werden wir uns alle im weiteren Verlauf dieser Krise stellen müssen, und jeder wird für sich die für ihn richtigen Antworten darauf finden müssen. Gleichzeitig hat es aber auch jeder in der Hand, durch sein zukünftiges individuelles Verhalten eine Veränderung für sich, aber auch für andere, herbeizuführen.

Die heutige Werktätigen-Generation in Deutschland hat bisher noch keine richtig große Krise erleben müssen – aber wir alle können jetzt gemeinsam zeigen, dass auch unsere aktuelle Generation mit einer Krise umgehen kann.

Die Krise setzt ungeahnte Formen an Kreativität und Innovation frei und schärft unser Bewusstsein für den Wert von Gemeinschaft und Gemeinschaftssinn.

Sehen wir die Krise daher als Chance, neue Wege zu beschreiten, bewusster zu leben und zu konsumieren, nachhaltiger, regionaler und verantwortungsvoller zu handeln. Wenn wir uns alle ein Stück weit daran orientieren, werden wir auch künftige Herausforderungen bestehen.

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2020-10-08T16:14:51+02:0016.09.2020|Kategorien: Studzinsky blogt|
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