Neuigkeiten Ihrer Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg

“Wir produzieren handwerklich”
Fleischer im Kulturland Höxter machen vieles anders als die Großbetriebe

Die Fleischerei-Innung im Kreis Höxter hat angesichts des Tönnies-Skandals über ihre Arbeit informiert. Alfred Brilon (Obermeister der Fleischer-Innung, vorne) zeigt seinen prämierten Knochenschinken, (dahinter von links) Gerald Studzinsky (Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg), Georg Vogt (Fleischermeister, Vorstandsmitglied der Fleischer-Innung), (hinten von links) Heiko Böddeker (Referent Standortmarketing Region plus X und  Regionalmarke Kulturland GfW), Ulrike Koch (stellvertretende Obermeisterin) und Hubert Helmes (Fleischermeister, Vorstandsmitglied der Fleischer-Innung). Foto: Reinhold Budde

Kreis Höxter (WB). Das Corona-Infektionsgeschehen beim Schlachthofgiganten Tönnies im Kreis Gütersloh verunsichert auch im Kreis Höxter die Verbraucher. Diesmal ist es nicht das Fleisch selbst, das vom Skandal betroffen ist, sondern die Arbeits- und Wohnverhältnisse der Arbeiter, deren Situation die Covid-19 Ansteckung erheblich begünstigt hat und nun auch deutliche Folgen für die Bevölkerung nach sich zieht. Die Fleischer-Innung Höxter-Warburg nahm die aktuelle Situation in einem Pressegespräch zum Anlass, sich gegenüber der Fleischindustrie zu positionieren.

Meister sitzen an einem Tisch
Beim Gespräch dabei waren Gerald Studzinsky, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, Alfred Brilon, Obermeister der Fleischer-Innung Höxter-Warburg, Ulrike Koch, stellvertretende Obermeisterin der Fleischer-Innung Höxter- Warburg, Georg Vogt, Fleischermeister und Vorstandsmitglied der Fleischer-Innung, Hubert Helmes, Fleischermeister und Vorstandsmitglied der Fleischer-Innung und Heiko Böddeker, Referent Standortmarketing Region plus X und Regionalmarke Kulturland GfW.

Obermeister Alfred Brilon machte deutlich: „Immer wieder ein neuer Skandal, immer wieder die großen Konzerne und Discounter, die uns in Misskredit bringen.“ Von den großen Schlachthöfen sei man im Kreis Höxter nicht nur räumlich weit entfernt, sondern habe auch in der Wahrnehmung der eigenen Verantwortung eine andere Einstellung: „Wir kennen die Landwirte persönlich, die uns beliefern oder von denen wir selbst Tiere abholen. Die Fleischer im Kreis Höxter schlachten zum großen Teil selbst oder lassen ihre Tiere in Lohn schlachten. Auch unsere Mitarbeiter werden fundiert ausgebildet und nach gesetzlichen Vorgaben bezahlt und rundum abgesichert“, sagte der Obermeister. Die Landwirte, mit denen die Fleischer zusammenarbeiten, kenne man seit vielen Jahren. Die Tiere kommen aus einem Umkreis von maximal zehn bis fünfzehn Kilometern und das Vertrauen zwischen den Landwirten und den Fleischereien sei groß, wie Brilon betonte.

18 Betriebe sind Mitglied
18 Betriebe sind in der Fleischer-Innung Höxter-Warburg Mitglied, und das sei eine große Anzahl für ein ländliches Gebiet. Zusammen seien hier inklusive dem Verkauf ungefähr 300 Personen beschäftigt. Jeder Fleischer kenne sein überschaubares Personal und seine Kollegen, die die Tiere schlachten und zerlegen, sagen die Fleischer. Das sei eine ganz andere Ausgangssituation als bei einem Großbetrieb.

Mitarbeiter aus der Region
„Als Fleischerbetriebe sind wir systemrelevant. Wir haben durchgängig gearbeitet, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Das natürlich auf Grundlage der erweiterten Bestimmungen und nötigen Abstandsregeln. Unsere Mitarbeiter stammen allesamt aus der Region und werden nicht finanziell oder gar gesundheitlich ausgebeutet“, wies Brilon auf die hohe Verantwortung und Standards seiner Mitgliedsbetriebe hin.

Hauptgeschäftsführer Gerald Studzinsky von der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg sagte: „Tarifbindung, handwerkliche Tradition und hohe Ausbildungsstandards wie der Meister- oder Gesellenbrief für die Mitarbeiter sind für die Mitgliedsbetriebe der Innung verpflichtend.“ Und er ergänzte: „Neben den kurzen und nachvollziehbaren Transportwegen ist es auch die persönliche Beziehung zwischen den Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden, die gerade jetzt einen zusätzlichen Beitrag zur Eindämmung der Verbreitung des Virus leistet und hilft, wichtige regionale Wertschöpfungsketten aufrecht zu erhalten“.

Und man schmecke auch, ob es sich um Qualitätsfleisch handele oder nicht, meinen die Fleischer der Innung. Zudem komme hinzu, dass die Ware in jedem Dorf etwas anders schmecke. „Wir verwenden ja alte, teilweise uralte Rezepte und Ideen zur Herstellung von Wurst und Fleisch, die dann frisch beim Fleischer in der gekühlten Theke liegen. Natürlich variieren wir die Herstellung immer mal wieder oder kommen Kundenwünschen nach“, sagte Fleischermeister Hubert Helmes. Langweilig werde es nie.

Kunden mit Kühlboxen
Auf die Frage, ob sich seit den Vorfällen bei Tönnies etwas in den ländlichen Fleischereien geändert habe, antwortet Ulrike Koch (stellvertretende Obermeisterin): „Bisher sind immer junge Familien und ältere Kunden gerne zu uns gekommen. Sie wissen ja: Zwei Scheiben Aufschnitt, drei Scheiben Salami, eine Bratwurst und so. Die kommen nach wie vor gerne in unsere Betriebe. Neuerdings fällt aber auch auf, das die Personengruppe zwischen ungefähr 30 und 60 Jahren jetzt häufiger zu uns kommen. Diejenigen, die früher schnell nach der Arbeit im Supermarkt ihr Fleisch geholt haben und jetzt vielleicht etwas skeptisch bei abgepackter Ware sind.“

Und sie ergänzt, dass die Kunden eigene Taschen und auch Kühlboxen mitbringen würden, um das Fleisch ohne aufwändige Verpackung und ohne Kühlunterbrechung nach Hause zu bringen. Grundsätzlich sei es aber auch oftmals noch so, dass in der Woche Fleisch und Wurst im Supermarkt gekauft würden und am Wochenende, wenn sich Besuch angekündigt hätte, das „gute Fleisch“ aus der örtlichen Fleischerei stamme.

Altes Handwerk
Denn in einem sind sich die Fleischer der Fleischer-Innung Höxter-Warburg sicher: Sie können nicht die Preise machen wie Ware aus Großschlachtereien. Und wollen es auch gar nicht, denn sie betreiben Jahrhunderte altes Handwerk. Und das schmecke man auch.

„Erkennbar sind die Mitgliedsbetriebe der Fleischer-Innung seit mehr als 40 Jahren an dem roten ‚f‘, das an der Eingangstür oder im Schaufenster in ganz Deutschland als Symbol auf die Qualität und die Leistungsfähigkeit des Fleischerhandwerks hinweist“, sagte Gerald Studzinsky.

Und da sei es unbedingt notwendig, dass der Inhaber des Betriebs selbst mitarbeite und ein großes Sortiment an Fleisch und Fleischerzeugnissen anbiete. Einer von ihnen ist Alfred Brilon von „Fleischerei und Partyservice Alfred Brilon“ aus Borgentreich. Er stellt, wie er sagt, Deutschlands besten, prämierten Hausmacher Knochenschinken her. „Dieser Schinken hat bei der Europameisterschaft 2019 den zweiten Preis erreicht, und wer Schinken mag, wird diesen Schinken lieben“, schwärmt Brilon.

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2020-08-27T12:14:01+02:0029.06.2020|Kategorien: KH-News, Fleischer-Innung, Innungen|
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